Ein »Portfolio aus Grundstücken, Gebäuden und Infrastrukturanlagen in bester Lage in einer unberührten Ecke von Gippsland, Victoria«: Damit ist Licola gemeint, eine abgelegene Ortschaft im australischen Süden.
Das »einzigartige Gebäude-Ensemble« besteht hauptsächlich aus einem Gemischtwarenladen und einem Campingplatz, einer Tankstelle und einem Ferienlager für Jugendliche. Die Beschreibung stammt aus einer Anzeige auf dem Portal Commercial Real Estate. Denn Licola steht zum Verkauf, laut Angebot für sechs bis zehn Millionen australische Dollar.
Laut BBC ist die Anzeige seit Dezember online. Die Betreiberin des Gemischtwarenladens, Leanne O’Donnell, habe aber schon vor einem Jahr von Vertretern des Lions Clubs erfahren, dass das Dorf verkauft werden soll. Das Gelände gehört Lions Clubs in Victoria und dem südlichen New South Wales, wie auf der Website des Ferienlagers Licola Wilderness Village steht. O’Donnell pachtete die Gebäude laut dem Bericht im Jahr 2022, um dort ihr Geschäft zu betreiben, und ging von einer Laufzeit von 15 Jahren aus.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
»Sie haben mir erzäjhlt, dass ihr Geschäft in den letzten fünf oder sechs Jahren Verlust gemacht habe, und ich fragte sie: Wie kann ich helfen?«, so beschreibt O’Donnell das Gespräch mit den Lions-Vertretern. »Sie drehten sich um und sagten: Wenn Sie nicht einige Millionen Dollar bekommen, können Sie nicht viel tun.«
Lions will »Mission« des Lagers schützen, »nicht nur physischen Ort«
Licola liegt rund 140 Kilometer Luftlinie östlich von Melbourne im Bundesstaat Victoria, mit dem Auto würde man gut drei Stunden fahren. Laut dem BBC-Bericht leben hier nur fünf Menschen, neben Leanne O’Donnell auch eines ihrer Kinder, ihre beste Freundin sowie deren zwei Kinder.
Macalister River in der Region um Licola: Wichtiger Stopp für Durchreisende auf dem Weg zum Nationalpark
Foto: Excitations / Alamy / All mauritius imagesIn den Fünfzigerjahren wurde an der Stelle am Macalister River den Angaben zufolge ein Sägewerk mit einigen Gebäuden für die Beschäftigten errichtet. Nach der Schließung 1968 erwarb der Lions Club das Gelände und machte daraus ein Camp, in dem benachteiligte Kinder und Jugendliche ihre Ferien verbringen konnten. Das Grundstück mit O’Donnells heutigem Laden, ebenfalls im Besitz von Lions, liegt daneben. Der Laden und die Tankstelle sind ein wichtiger Stopp für Durchreisende auf dem Weg zum Alpine Nationalpark.
In einer Stellungnahme auf der Website des Licola Wilderness Village steht, dass eine kürzlich durchgeführte strategische Überprüfung ergeben habe, dass das derzeitige Modell zum Betrieb der Anlage nicht mehr länger trage – weil der finanzielle Druck zunehme, Versicherungen teurer würden, die Gebäude und Infrastruktur alterten und die Teilnehmerzahlen der Programme gering seien.
»Unsere Verantwortung ist es, die Mission zu schützen, nicht nur den physischen Ort«, wird ein Sprecher in der Stellungnahme zitiert. »Die Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen.« Der Erlös aus dem Verkauf will Lions demnach in eine Stiftung stecken, um das Camp weiter zu betreiben.
Laut BBC sei O’Donnell angewiesen worden, das Gelände bis zum heutigen 31. Januar zu verlassen, der Pachtvertrag wurde beendet. Eine Petition gegen den Verkauf und Protest von anderen Einwohnern in der Region nützten offenbar nichts. Ab jetzt werde bezahltes Personal des Licola Wilderness Village den Laden und Campingplatz übernehmen, heißt es in der Lions-Stellungnahme.


